Die CSU-Stadtratsfraktion hat sich nach eingehender Beratung gegen die Einführung des Challenge-Sportevents in Regensburg entschieden. Bereits bei den vorangegangenen Ironmanveranstaltungen hat es aus der Sportwelt und der Bevölkerung erhebliche Kritik gegeben. Die Euphorie, die dem Ironman vorausging, und die damit verknüpften Erwartungen haben sich nicht bestätigt. Der Vertrag wurde seitens der Veranstalter vorzeitig aufgekündigt.

Die CSU-Fraktion nimmt die Bürgerkritik sehr ernst. Die Fraktion ist sich sehr wohl bewusst, dass sie damals der Einführung des Ironman zugestimmt hat. Mit dieser Entscheidung wurde sportliches Neuland ausprobiert.

Nachdem sich jedoch herausgestellt hatte, dass die Veranstaltung nicht funktioniert hat, hat die CSU-Fraktion die Lage neu bewertet. Es besteht derzeit keine Veranlassung, eine Neufassung des Ironman, wenn auch unter anderem Namen, wieder aufleben zu lassen. Die Problemstellungen, denen sich Stadtverwaltung, Organisatoren und vor allem die Bevölkerung bei der Durchführung eines solchen sportlichen Großereignisses gegenüber sieht, sind immer noch die gleichen.

Argumente gegen die Challenge-Veranstaltung:
- Von 2010 bis 2012 gab es 3 x den Ironman in Regensburg mit mäßigem Erfolg

- Trotz 5-Jahres-Vertrag wurde der Ironman nach 3 Veranstaltungen seitens der Veranstalter beendet. Einige Gründe lagen wohl beim Veranstalter, aber einige gewichtige Gründe würden bei einer Neuauflage als Challenge mit nur einer wesentlichen Änderung, nämlich dass ein örtlicher Veranstalter mit im Boot ist, unverändert wieder vorliegen:

• Der Termin wäre wieder in der Haupterntezeit der Landwirte
Der Bauernverband-Obmann zeigte sich nicht sehr erfreut und erinnerte daran, dass an die 100 Höfe beim Ironman in der Haupterntezeit aufgrund der Route betroffen waren. Deshalb sollte die Challenge keinesfalls in der Erntezeit stattfinden.

• Verhaltene Zustimmung des Landkreises
Landrätin Tanja Schweiger merkte bereits an, dass unbedingt Rücksicht auf die Landwirte genommen werden müsse!

• Unsichere Wirtschaftlichkeit
Der Ironman-Veranstalter erteilte aus finanziellen Gründen eine Absage wegen Unterdeckung.

• Es wird eine große Anzahl Freiwilliger Helfer (an die 3000!) in der Haupturlaubszeit benötigt (Roth: sogar 5700 Helfer)

  Negative Erfahrungen der Helfer des Ironman: als Entschädigung gab es nur geringfügige Sachleistungen, dafür viele Stunden „irgendwo“ im Landkreis; die Helfer aus den Vereinen zeigten sich darüber verärgert

• Feuerwehrkräfte werden in der Haupturlaubszeit benötigt
Der Kreisbrandrat gibt zu bedenken, dass aufgrund des Zeitpunkts die Feuerwehrleute nicht sehr erfreut darüber sein werden.

• Anwohnerbeschwerden über Sperrungen und Lärm (mindestens bis 23:00 Uhr als Zielzeit). Aufgrund der Belästigungen für die Altstadtbewohner gab es beim Ironman die Verlegung aus der Altstadt, die die Veranstaltung allerdings unattraktiv werden ließ; deshalb soll die „Challenge“ mitten in die Stadt stattfinden, mit der Konsequenz, dass dann die Lärmproblematik wieder vorliegt.

• 400 Polizeikräfte erforderlich, lt. Erfahrung mit dem Ironman sind so viele Polizeikräfte erforderlich, und das in der Haupturlaubszeit mit vielen parallelen Veranstaltungslagen (z.B. vorher Challenge Roth, nachher Gäubodenfest etc.)
Wenn die Polizeikräfte auf Grund dessen allerdings nicht ausreichend zur Verfügung stehen, stellt sich die Frage, ob die Veranstaltung dann aufgrund des Sicherheitsproblems überhaupt genehmigungsfähig ist.

• Relativ breite Ablehnung durch örtliche Sportvereine, weil die Challenge Geld für die kommerzielle Veranstaltung
abzieht. Daher stellt sich die Frage, ob es weniger Förderung für örtliche Events geben wird wie etwa für den Arber Radmarathon, Regensburg Marathon, Regensburg Triathlon.

• Kosten
Die Kosten belaufen sich für 5 Jahre auf knapp 1,4 Millionen Euro, bei einer Verlängerungsoption um weitere 5 Jahre auf ca. 2,8 Millionen Euro.
 
Zudem war beim Ironman festzustellen:
• Strahlwirkung nicht erfüllt (O-Ton Wolbergs)
• Ironman hat verbrannte Erde hinterlassen (O-Ton Wolbergs)
• Mehr Kosten als Einnahmen (O-Ton Wolbergs)
• Kaum Werbeeffekt für Regensburg (O-Ton Wolbergs)

• „wesentlich mehr Medienresonanz erwartet“ (Frau Thiele, RTG)

• Es gab vergleichsweise wenig Resonanz in der Bevölkerung und das wurde auch vom Veranstalter und Teilnehmern so geäußert: „…es fehlt der Hype in Regensburg“

• Auch in der kommunalen Politik gab es zum Teil Ablehnung, hier in Stichpunkten:
Artinger: „hatte mit wolkigen Versprechungen nichts zu tun“, „nichts mit medialer Aufmerksamkeit“, „Geld anderweitig besser zu verwenden“, „Ergebnis enttäuschend“
Wolbergs: Presse: „Vehementer Kritiker“, „wettert gegen Ironman“, O-Ton Wolbergs: „…im Vergleich zum Aufwand viel zu wenig Werbeeffekt“
Grüne: „Bedenken haben sich bewahrheitet“
 
Und nun zu einem entscheidenden Punkt:
Wenige Wochen vorher findet nur gut 100 km entfernt in Roth, global betrachtet quasi in unmittelbarer Nachbarschaft, eine identische Challenge der gleichen Dachorganisation statt. Diese ist seit vielen Jahren eine etablierte Veranstaltung, eine der besten weltweit. Der Oberbürgermeister von Roth bestätigt: „Der Triathlon sind wir“.
Als Gegenargument der Challenge-Befürworter wird angeführt, dass Roth immer ausgebucht sei. Das ist richtig, aber wer kommt dann innerhalb so kurzer Zeit noch nach Regensburg? Die zweite oder dritte Garnitur der Athleten? Wie viele kommen? Will Regensburg eine ernsthafte Konkurrenz zu Roth aufbauen? Diese Planungen sind nicht nachhaltig, dennoch besteht in Kenntnis all dieser Fakten ein 5-Jahresvertrag mit Verlängerungsoption.

Imageproblem:
Die „Challenge“ ist im Vergleich zum Ironman relativ unbekannt und ermöglicht keine Qualifikation für den Ironman Hawaii.
Bezeichnend ist hierbei auch, dass die Informationsfahrten nach Roth, die Oberbürgermeister Wolbergs mit den Stadträten durchführen wollte, kläglich mangels Interesse und Teilnahme der Stadträte gescheitert sind. Die erste Informationsfahrt musste ganz abgesagt werden, bei der zweiten Infofahrt erbarmten sich zwei Stadträte von 50.
 
Fazit:
Die Beschlussvorlage wurde in der CSU intensiv und ergebnisoffen diskutiert. Ein solcher Event ist kein Teufelszeug. Die CSU-Fraktion betrachtet das auch nicht durch die ideologische Brille, nach dem Motto „böser Kommerz gegen guten Breiten- und Vereinssport“.
Die CSU-Fraktion hat sich jedoch nach sorgfältiger Abwägung aller Argumente entschieden, der Durchführung eines Challenge-Events nicht zuzustimmen. Unter Berücksichtigung aller Problemfelder, die vom Ironman hinreichend bekannt sind und auch bei einer Challenge weitgehend bestehen bleiben würden, soll eine solche Veranstaltung, zumindest unter diesen Rahmenbedingungen, nicht durchgeführt werden. Das Geld (1,4 Mio €) ist bei den örtlichen Events und/oder in den Sportvereinen besser angelegt. Als Experiment ist es zu teuer und mit zu vielen bereits bekannten Problemen behaftet.

Dazu muss die CSU-Fraktion, entgegen der Meinung von Oberbürgermeister Wolbergs, auch keine „Rolle rückwärts“ machen, weil die Fraktion die Probleme des Ironman ernsthaft zur Kenntnis genommen und daraus gelernt hat. Die Wolberg´sche „Rolle rückwärts“ müssen eher einige Koalitionäre machen.

Gedreht hat sich in seiner Meinung jedoch Oberbürgermeister Wolbergs, der im Wahlkampf zunächst keine Neuauflage des Ironman wollte, sich dann aber für die Challenge entschied, die nichts anderes ist als ein abgespeckter Ironman im Tarnmantel. Noch während des Wahlkampfs hatte er im Presseclub versichert, dass der Ironman-Vertrag mit ihm als Oberbürgermeister nicht verlängert werden wird, da dieser im Vergleich zum Aufwand viel zu wenig Werbeeffekt für Regensburg hätte. Im Falle seiner Wahl wolle er hingegen regionale Sportveranstaltungen wie den Marathon, den Arber-Radmarathon oder die Leichtathletik-Gala stärken. Woher also kommt dieser Sinneswandel pro Challenge? Dies ist nachdenkenswert.

Hermann Vanino  
Fraktionsvorsitzender 

Jürgen Eberwein
Sprecher im Ausschuss für Bildung und Freizeit