Sehr verehrte Hildegard Anke, sehr geehrte Damen und Herren,

es ist mir eine große Freude und Ehre, dass ich Ihnen, sehr verehrte Frau Anke, heute zu Ihrem 95. Geburtstag im Namen aller Mitglieder des Regensburger Stadtrats die herzlichsten Glückwünsche überbringen darf.


Sie sind ein Urgestein in der Regensburger Kommunalpolitik.
Sie haben bei Ihrer Jahrzehnte langen kommunalpolitischen Tätigkeit nicht nur Staub aufgewirbelt, sondern sichtbare und nachhaltige Spuren hinterlassen und Sie sind im Regensburger kommunalpolitischen Leben zu einer starken Institution geworden.
Vor allem im sozialen Bereich war und ist Ihr Engagement legendär und für viele nach wie vor unverzichtbar.

Es ist wohl kaum zu bestreiten, dass je ein anderer Regensburger Kommunalpolitiker so viele einzelne Menschen, egal ob jung oder alt, glücklich gemacht oder ihnen persönlich geholfen hat - so wie Sie es über Jahrzehnte hinweg getan haben. Für Sie, verehrte Frau Anke, sind das C und das S im Parteinamen der CSU keine bloße Imageangelegenheit, sondern das Christliche und das Soziale sind Teil Ihres Wesens, Ihrer Persönlichkeit sowie Ihres Politik- und Menschenverständnisses.

Sie sind auch heute immer noch aktiv, beraten Bürgerinnen und Bürger in Ihrem Büro und nehmen regen Anteil am gesellschaftlichen Leben der Stadt. Ich selbst habe Sie erst unlängst bei der Jubiläumsfeier für das Königswiesenzentrum getroffen.

In Regensburg sind Sie die Grande Dame der CSU, der Sie bereits 1953, also vor sage und schreibe 63 Jahren beigetreten sind. Innerhalb der CSU haben Sie sich vor allem in der Frauen-Union engagiert. Sie waren viele Jahre Kreisvorsitzende der  Frauen-Union Regensburg-Stadt und auch zweite stellvertretende Landesvorsitzende der Frauen-Union der CSU.

Auch dem  Bayerischen Landesfrauenausschuss sind Sie seit dessen erster Stunde 1973 verbunden. Ihr stetes Anliegen war es hierbei, dass Frauen in Politik und Gesellschaft mehr Gehör finden und  dass gleiche Rechte und Pflichten auch in öffentlichen Ämtern zum Tragen kommen sollen. Und Sie haben sich auf diesem Weg nicht beirren lassen. Sie haben als Frau Ihren unverwechselbaren politischen Beitrag hier in Regensburg geleistet, nicht zuletzt auch für diejenigen jungen Frauen, die Ihnen politisch nachgefolgt sind.

So war es nur folgerichtig, dass Sie in einer damals männer-dominierten CSU  als erste CSU-Frau in der politischen Geschichte Regensburgs zur Stadtspitze gehörten. Sensation in 3-facher Hinsicht: 1. erste CSU-Frau auf dem Bürgermeistersessel, 2. bei einer rot-grünen Mehrheit, 3. ehrenamtlich im  Alter von 69 Jahren. Das war einmalig, zumindest in der Regensburger Stadtgeschichte. Als ehrenamtliche Sozialbürgermeisterin leisteten  Sie 1990 bis 1996 neben  der damaligen SPD-Oberbürgermeisterin Christa Meier im Rathaus Ihre verdienstvolle Arbeit. 1996 (75 Jahre jung) wurden Sie dann für eine weitere Periode in das Amt einer Bürgermeisterin berufen, dieses Mal an der Seite des damaligen Oberbürgermeisters Hans Schaidinger.

In Ihrer Zeit als Bürgermeisterin lagen Ihnen dabei vor allem  das Senioren- und Stiftungsamt sowie das Sozialamt besonders am Herzen.

Aber schon viele Jahre vor Ihrer Bürgermeisterzeit waren Sie bereits im Stadtrat von Regensburg aktiv.

Seit 1972 waren Sie Mitglied im Stadtrat - und zwar 30 Jahre lang bis 2002. In dieser Zeit waren Sie in unzähligen Ausschüssen tätig, die alle aufzuzählen hier den Rahmen sprengen würde.   

In dieser Zeit haben Sie sich nicht darauf beschränkt, auf Vorgefundenes zu reagieren, sondern Sie haben auch Visionäres gefordert: Schon lange bevor in der CSU die Einrichtung von Ganztagsschulen ein Thema war, haben Sie diese bereits zusammen mit Ihrer CSU-Mitstreiterin Barbara Stamm gefordert.  
Und Sie haben durchgesetzt, dass in Regensburg erstmals Glas-Container aufgestellt wurden und auch das Essen auf Rädern eingeführt wurde.

Diese wenigen Beispiele zeigen eines ganz deutlich:  
Das Soziale, das Motto „Näher am Menschen“, ist Ihnen auf den Leib geschrieben. Sie haben es immer gelebt, ob mit oder ohne Amt, bis zum heutigen Tag. Und wer manchmal die sozialen Aufgabenfelder als weiche Faktoren oder gar als vernachlässigbar abtut, der kann sich von Ihnen sicher eines Besseren belehren lassen: Dass man nämlich gerade im sozialen Bereich mit den Härten des Lebens und so manchem schweren Schicksal konfrontiert wird, das oft schwer fassbar oder erträglich ist.

Umso mehr gebührt Ihnen mein Respekt, dass Sie auch über die politische Tätigkeit hinaus mit Phantasie, Hartnäckigkeit und Tatkraft Ihre sozialen Tätigkeitsfelder bestellt haben. Viele Initiativen für Kinder, Familien, ausländische Mitbürgerinnen und Mitbürger, Menschen mit Handicap sowie Seniorinnen und Senioren gehen auf Sie zurück. Die Aktion „Sparbücher für Heimkinder“ oder die „Aktion Maria Probst“ sind Ihr Verdienst. Und natürlich kann hier auch die vorweihnachtliche Kartoffelsuppen-Aktion nicht unerwähnt bleiben. Sie gehört mittlerweile alle Jahre wieder fest zu den Regensburger Ritualen der Vorweihnachtszeit. 

Noch heute beraten Sie in Ihrem Büro in direkter Nachbarschaft zu unseren Fraktionsräumen hilfsbedürftige Menschen ehrenamtlich und mit großem Engagement.

Ihr ausdauernder Einsatz wurde daher zu Recht mit zahlreichen Auszeichnungen gewürdigt: unter anderen mit der Goldenden Bürger-Medaille der Stadt Regensburg, dem Bayerischen Verdienstorden, der Kommunalen Verdienstmedaille und mit dem Bundesverdienstkreuz 1. Klasse.

Quasi nebenbei haben Sie auch noch eine Familie und gehen auch noch Ihren Hobbies nach, zu denen Literatur, Musik und Schwimmen gehören.

Für viele Menschen in unserer Stadt sind Sie ein Vorbild. Eine Politikerin, die das von sich sagen kann, hat mehr als nur ihr Wahlziel erreicht. 

Stellvertretend für viele Bürgerinnen und Bürger danke ich Ihnen heute von Herzen für alles, was Sie geleistet haben und für das, was Sie noch tun werden – und wie ich Sie kenne, wird das nicht gerade wenig sein.

Sie kommen mit Ihrer Persönlichkeit dem, was der Philosoph und Theologe Meister Eckhart zusammengefasst hat, ziemlich nahe: „Die wichtigste Stunde ist immer die Gegenwart. Der bedeutendste Mensch ist der, der Dir gerade gegenüber sitzt. Das Notwendigste ist immer die Liebe.” 

So wünsche ich Ihnen, liebe Frau Anke, im Namen des gesamten Stadtrats von Herzen alles Gute zu Ihrem Geburtstag und für die Zukunft weiterhin eine robuste Gesundheit, Glück, Zufriedenheit und Gottes Segen.

Ad multos annos, liebe Frau Anke!

 

Foto: Günter Staudinger